Hin und Her gerissen…

In meinem Beitrag von gestern schrieb ich noch „Diese Woche will ich mich streng nach 10wbc ernähren“, aber irgendwie funktioniert das nicht mehr so richtig. Mittlerweile LIEBE ich meinen Obstsalat am Morgen und fühle mich danach wesentlich besser und fitter als nach Bohnen und Eiern. Und mal ehrlich, wer kann es mir bei diesem Anblick verwehren??

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Es gab die ersten Erdbeeren (okay natürlich nicht aus Deutschland, aber trotzdem superlecker) dieses Jahr für mich, dazu Banane und Kiwi – ein Genuss, der nach Urlaub schmeckt.

Auch hängt mir seit einigen Tagen das Mittagessen zum Halse heraus: Gemüse von der Kantinen-Beilagen-Theke und Salat. Wenn ich Glück habe, gibt es unpanierten Fisch oder unpaniertes Fleisch, aber das passiert höchstens 1-2 mal die Woche (und außerdem wollte ich ja meinen Fleischkonsum runterfahren während der Fastenzeit). Gestern hatte ich dann eine Gemüsepizza und vorgestern Vollkornnudeln mit Tomatensauce. Danach folgte natürlich ein richtig schlechtes Gewissen. Weiterer negativer Punkt: Bei dem Wort KEM kriege ich mittlerweile echt Ausschlag. Nicht nur bei KEM, sondern bei allen „Ersatzlebensmitteln“ die gefühlte STUNDEN der Vorbereitung brauchen. Ich mein mal ehrlich, das Leben ist zu kurz, um ständig irgendwelche abgefahrenen Rezepte nachzukochen. Ich koche wirklich gerne, aber ein geschmackliches Feuerwerk war noch nicht dabei. Klar schmeckt alles ganz gut, aber halt nur ganz gut. Seit einer Weile habe ich mich ja von KEM und Co. distanziert, weil ich denke man beschummelt sich selbst. In den Foren und Gruppen geht es fast nur darum, die perfekten Ersatz-Nudeln oder den perfekten Ersatz-Pizzaboden aus Unmengen KEM herzustellen. Ich glaube manche verlieren ein bisschen den Blick dafür, dass es nur in MAßEN erlaubt ist. Darunter zählen übrigens auch Glasnudeln. Die Spitze des Eisberges, der mein Fass zum Überlaufen gebracht hat, war aber ein anderer. Ich weiß nicht, wer von euch in der Facebook-Gruppe zum Thema 10wbc ist und ich will auch niemanden auf den Schlips treten, aber eine Diskussion gibt mir doch ganz schön zu denken. Eine Userin schrieb, dass sie (um den Wassereinlagerungen während des Eisprungs) nur noch Rohkost gegessen habe. Am Morgen Obstsalat, dann Rohkost bis 17 Uhr, danach finito – nichts mehr zu futtern. Das hat sie eine Woche durchgehalten und danach ausschließlich das Frühstück durch 10wbc-Kost ausgetauscht (auch nicht so richtig, denn Hülsenfrüchte konnte ich keine im gesamten Tagesplan finden). Der Gewichtsverlust von 4 kg spricht natürlich für sich und ihren eisernen Willen bewunder ich…. ABER HALLO!?!?! Da mutiert man doch zum Kaninchen! Ganz zu schweigen vom Jojoeffekt, der sich bei so einseitiger Ernährung förmlich einstellen muss. Das hat für mich nichts mehr mit Ernährungsumstellung und schon gar nicht mit „Abnehmen mit Genuss“ zu tun.

Ich will 10wbc und die Community auf keinen Fall schlecht reden. Das Programm hat mir geholfen, meine Ernährung zu überdenken und auch umzustellen. Fast-Food, Softdrinks etc. sind mittlerweile (fast) komplett vom Speiseplan gestrichen. Auch Fertigprodukte (Saucen, Suppen und und und) stoßen mich mittlerweile komplett ab – schmeckt ja auch alles gleich eklig nach Glutamat. Außerdem habe ich viele Lebensmittel für mich entdeckt, die ich nicht mehr missen möchte, zum Beispiel die verschiedenen Bohnen- oder Linsensorten, mit denen man ganz tolle Rezepte zaubern kann. Dennoch steht fest, dass das reine 10wbc-Konzept nichts für mich und meine Zukunft ist. Ich brauche auch keinen ganzen Loadtag mehr, weil ich gar keine Lust habe, mich einen Tag lang vollzustopfen. 3-4 „Loadmahlzeiten“ pro Woche ist für mich der richtige Weg. Ich will meine Mädelsnachmittage mit Kaffee und Kuchen nicht zwangsläufig auf den Samstag bzw. Sonntag legen müssen, denn wie oft hat man unter der Woche das Bedürfnis nach Girlstalk und einem Stück selbst gebackenem Kuchen?

Tja, was ist nun die Moral von der Geschicht? Gestern habe ich mich hinreißen lassen und mich bei Weight Watchers angemeldet. Seit Anfang Dezember kämpfe ich nun schon um die letzten 5 kg zur 60kg-Marke und mittlerweile bin ich eher gefrustet als motiviert. Mit WW habe ich mich schon seit einiger Zeit immer mal wieder beschäftigt und auch schon viel Positives gehört und gesehen (von Menschen, die mir nahe stehen und auf deren Meinung ich vertraue). Bis jetzt war mir das „zählen“ immer lästig, doch dann habe ich von dem Online-Tool gelesen und mich informiert. Da ich eh fast täglich im Internet zu tun habe, also eine gute Alternative zu den Treffen, zu denen mich keine 10 Pferde kriegen würden. Da bleibe ich doch lieber in meiner gewissen Anonymität hier im Netz und gehe nicht zu einer „Selbsthilfegruppe“.

Zur Internetseite von WW gibt es auch eine App, die sich automatisch mit meinem Userkonto synchronisiert. So kann ich am PC oder am Handy eingeben, was ich gegessen und getrunken habe. Mittlerweile ist das WW-System so ausgereift, dass man wirklich fast alles in Sekundenschnelle findet und einfach nur anklicken muss. Kein ewiges Suchen in endlosen Lebensmittellisten. Es ist kinderleicht.

Ich werde jetzt WW mit einem Anteil 10WBC kombinieren, denn durch 10 wbc habe ich mir schon viele positive Ernährungsangewohnheiten angeeignet (Tee nonstop, Verzicht auf Weißmehl etc.), die ich nicht „verlieren“ möchte. Doch in Zukunft werde ich mit richtig gutem Gewissen mal einen Teller Nudeln oder Sushi essen und mich danach nicht wie ein „Cheater“ fühlen. Für einen Zeitraum von 3 Monaten habe ich jetzt erstmal Zugang zu WW und hoffe den 60kg näher zu kommen, danach werden wir weiter sehen – ich halte euch auf dem Laufenden🙂

3 Antworten zu “Hin und Her gerissen…

  1. Ich habe auch eine Zeitlang 10wbc gemacht, es hat auch was gebracht, aber ich habe festgestellt, dass es einfach nicht meine Ernährungsweise ist, da ich gern viel Obst und Gemüse esse. Ich habe dann mal einen Selbsttest gemacht und es macht wirklich gewichtstechnisch bei mir null Unterschied, ob ich Obst esse oder nicht. Kohlenhydrate zu reduzieren dagegen bringt es total und ich mache auch interessante Erfahrungen mit Rohkost, aber mir schmeckt das auch und ich esse abends oft noch was warmes, eine Suppe oder sogar Vollkornreis mit Gemüse. Damit habe ich phantastische 4 Kilo in einem Monat verloren ohne dass ich mich irgendwie angestrengt habe🙂 aber ich denke, es hat keinen Sinn, sich zu etwas zu zwingen, was man einfach nicht mag. ich wünsche dir auf jeden Fall noch viel Erfolg und vor allem Spass am essen! Schöne grüsse

  2. Ich kann deine Entscheidung sehr gut nachvollziehen. Irgendwann wird 10wbc auch sehr einseitig, vielleicht kann eine Umstellung auf ww einen neuen Anschub geben🙂 Ich habe auch Freunde, die sehr gute Erfahrungen mit ww gemacht haben, gerade wenn man auf Süßigkeiten nicht so gut verzichten kann. Ich wünsche dir viel Erfolg!

  3. Also ich kenne 10wbc nicht im Detail, da die auf ihrer Website schon unanständig sparsam mit kostenlosen Vorab-Infos sind. Jeden Morgen Eier und Bohnen würde ich jedenfalls auch nicht runterkriegen. Und was die ganze Mehl-Ersatz-Nummer soll, konnte ich eh noch nie nachvollziehen. Wenn ich Mehl in meiner Ernährung drastisch reduzieren will, suche ich mir andere „richtige“ Lebensmittel, nicht krampfigen Mehl-Ersatz. Den gelegentlichen Hunger nach ein paar „mehligen“ Kohlenhydraten stille ich dann auch mit echtem Mehl – unter der Woche natürlich Dinkel- oder Roggenvollkorn. Nach zwei Scheiben Brot ist’s dann auch gut.

    Ich sehe es auch so: Eine Ernährungsumstellung muss dauerhaft funktionieren und darf einem nicht das Leben vermiesen. Und alles, was Krampf ist, funktioniert eh nie lange😉

    Schau dir doch mal die LOGI-Bücher von Nicolai Worm und Franca Mangiameli an. Die Ernährungsform mit viel Gemüse, maßvoll Obst, reichlich Eiweiß und gesunden Fetten ist absolut plausibel. Die Bücher bieten auch viele leckere und vor allem vielseitige Rezepte, mit denen man auch abnimmt.

    Alle stärkereichen Kohlenhydrate und vor allem Zucker drastisch zu reduzieren, macht aber auf jeden Fall Sinn – schon aus gesundheitlichen Gründen. Das Zeug, vor allem Weizen, Mais und Maissirup (Glukose-Fruktose-Sirup) sind das reinste Gift. Aber ein gelegentliches Stück Kuchen bringt einen nicht um, wenn man sich normalerweise gesund ernährt. Und da sage ich mir dann auch: Wenn Kuchen, dann auch richtiger Kuchen, der schmeckt. Sünden müssen sich genusstechnisch schließlich lohnen😉

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